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Oliver Plaschka - "FAIRWATER" 4/5 Sternen

 

KNAUR Verlag / 2018 ( Originalausgabe erschien 2007 bei Feder & Schwert)

 

470 Seiten

 

Bevor ich über den Inhalt des Buches schreibe, muss ich erst einmal dieses sensationelle Cover loben!

Als der Knaur Verlag Bilder veröffentlichte, war ich sofort verliebt. Es harmoniert alles perfekt. Farbnuancen, Bildschnitt und die Verzierungen rund um die Seite sind fantastisch ausgearbeitet UND die dünnen Buchseiten liegen wunderbar in den Händen. Ja, die Buchseiten. Ich mag keine zu dicken Seiten, die sich kaum bewegen und in der Regel oft verwendet werden. Diese hier sind wunderbar. Musste auch mal erwähnt werden.

 

Wir reisen mit Gloria, einer Reporterin nach Fairwater und ich denke die meisten, die rein nach Optik und Klappentext gegangen sind, werden nach den ersten Seiten recht schnell "enttäuscht" sein.

Wir lesen hier nicht einen typischen Fantasyroman, sondern eine stilistisch anspruchsvolle Geschichte, die in viele einzelne, sehr unterschiedliche Szenen unterteilt ist. Um sich auf dieses Werk einzulassen, denn das muss man, braucht es Zeit und Ruhe. Es ist kein Buch das man mal so schnell nebenbei lesen kann.

Der Titel "Die Spiegel des Mr. Bartholomew" lässt ein wenig erahnen um was es gehen könnte. Parallelwelten, unbekannte Wesen, oder die Möglichkeit sich durch Spiegel bewegen zu können.

Alles finden wir in diesem Buch. Doch die Schwierigkeit ist, Realität und die Kraft der Einbildung auseinander zu halten. Wer kommt hinter die Geheimnisse des Träumens?

 

So verworren und undurchsichtig das Geschriebene oft ist, enthält es viele wunderschöne Passagen die zum Nachdenken anregen. Hierzu ein Auszug aus dem Buch:

 

"...ein Kurzzeitgedächtnis will ich auch gar nicht leugnen, schwerlich vermöchte ich sonst, einen Gedanken an den anderen zu reihen und diese Geschichte zu erzählen.

Doch dazwischen treiben Fragmente, Träume wie Treibgut, die wir nie sortieren können, und niemals ziehen wir sie ganz aus ihrem Meer und betrachten sie uns von allen Seiten. Orte und Zeiten verschwimmen. Freud und Leid werden eins. Die Gesamtheit aller je erfahrener Impressionen verschmilzt zu einem diffusen Wissen und Nichtwissen, das uns manchmal sogar darüber hinwegtäuscht, wer wir selbst eigentlich sind. Wir wachen jeden Tag auf und sind wieder die Person, die wir vor drei Jahren für eine flüchtige Sommernacht waren, und dann wieder verfallen wir in dieselbe alte vertraute Stimmung, die uns schon mehrere Winter lang tapfer begleitete. Vielleicht reden diese Stimmen uns auch nur ein, das wir sie bereits kennen, damit wir uns nicht vor ihnen fürchten, nicht in den Konflikt geraten, gleichzeitig wir selbst und jemand Neues zu sein."

 

Eine Handlung ist schwer zu erkennen, dennoch, wenn man dem Buch eine Chance gibt, lässt sich ein hauchfeiner roter Faden erkennen. In Fairwater sind die Flüsse durch eine Fabrik verseucht und verunreinigt. Dies lässt die Bewohner ihr Leben auf ungewöhnliche, halluzinierende,gefährliche, gar mörderische Art durchleben. Wer existiert und wer ist Traum? Das und die sehr detailreiche Beschreibungen, lassen den Leser oft an seine Grenzen stoßen.

 

Alles in allem ist die Atmosphäre in diesem Werk grandios und ich habe tatsächlich 2 Wochen für diese 470 Seiten benötigt. Irgendwann werde ich es erneut lesen, um vielleicht etwas mehr hinter das Geheimnis um Fairwater zu kommen.

 

Eine Leseempfehlung für alle, die sprachlich mal etwas niveauvolleres in den Händen halten möchten. Ein durchaus fantastisches Werk von Oliver Plaschka.

 

Danke für das Lesen meiner Empfehlung.

 

Verena

 

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